Alles eine Frage der Perspektive

Schauen wir uns ein System aus einem anderen Blickwinkel an, werden Lösungen sichtbar.

Perspektivwechsel  – oder der Weg von der Fotografie zum Stressmanagement
Es ist immer eine interessante Mischung an Reaktionen, die ich bekomme, wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin. Begegnungen, die nicht mit „Guten Tag“ beginnen, sondern mit „Bitte nicht meine große Nase…!“ oder noch direkter „Gehen Sie weg!“ Viele Menschen erleben Stress, wenn ein Kameraobjektiv auf sie gerichtet ist. Eben noch total locker, reagieren manche beispielsweise mit einer Art Grinse-Schockstarre (totstellen). Es kann auch sein, dass sie abwinken (Flucht) oder anfangen zu schimpfen (Angriff). Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich erkannt habe, dass die Reaktionen einfach nur Strategien sind, diesen Stress zu bewältigen. Je mehr ich mir dieser Angelegenheit bewusst werde und je mehr ich über Stressbewältigung gelernt habe, desto leichter gelingt es mir, die Menschen dort abzuholen, wo sie sich befinden. Meine Grundhaltung ist: Jeder Mensch hat eine Schokoladenseite. Um diese zu erkennen, ist es manchmal nötig, die Perspektive zu wechseln. Es ist also nicht nur eine Frage des Standpunktes, sondern auch der inneren Einstellung. Diese Perspektivwechsel sind meine Spezialität.
Die drei wichtigsten Dinge beim Fotografieren sind für mich Ehrlichkeit, Akzeptanz und Mut. Es wirkt nämlich wohltuend und entspannend, ehrlich sein zu dürfen. Wenn Menschen den Mut aufbringen, sich selbst zu akzeptieren und sich authentisch zu zeigen (auch wenn ihnen nicht zum Lachen ist), entstehen nicht nur schöne Fotos, sondern sie gewinnen auch das Bewusstsein über ihre Schokoladenseiten. Dabei kann auch herauskommen, dass die große Nase dazugehört. Besonders berührend sind für mich die Momente, in denen Menschen beim Betrachten ihrer Fotos feststellen: „So schön habe ich mich noch nie gesehen!“
Meine persönliche Fotoformel: 5 % Licht/Kameratechnik + 95 % Psychologie = 100 % Fotografie